Archiv für den Monat: Mai 2012

Die Freiheit der Kolumne

Ute Baumhackl zappt zu viel, fürchtet sich vor zu langen Ferien und ist davon überzeugt, dass Schreiben die Welt verändert.

 Marion Fabianek:

Worüber kann „die Beste aller Ehefrauen“ lachen?

UTE BAUMHACKL:  Hoffentlich über ihren Mann Bernd Melichar. Sie und ich sind aber nicht identisch.

 

Marion Fabianek:

Sie haben Sprachen studiert, sind dann aber doch lieber Journalistin als Lehrerin geworden. Warum?

UTE BAUMHACKL:  Natürlich aus Angst vor zu langen Ferien.

 

Marion Fabianek:

Stichwort „männlicher Humor – weiblicher Humor“: Wo liegt für Sie der Unterschied?

UTE BAUMHACKL:  Keine Ahnung. Grundsätzlich kommt mir, dass schon die ganz normale männliche Konversation stärker auf Pointen getrimmt ist. Hat wohl mit Testosteron zu tun: Wer die bessere Wuchtel druckt, ist Sieger.

 

Marion Fabianek:

Wann beziehungsweise wobei ist bei Ihnen „Schluss mit lustig“?

UTE BAUMHACKL:  Insgesamt: viel zu selten.

 

Marion Fabianek:

Wie finden Sie die Themen für Ihre Kolumnen? Oder finden die Themen Sie?

UTE BAUMHACKL:  Meistens entsteht das Kolumnenthema im Gespräch mit meinem Kollegen Bernd Melichar. Und dann schreibt erst recht jeder, was er will.

 

Marion Fabianek:

Was ist lustiger? Lesen oder schreiben?

UTE BAUMHACKL:  Lesen! Schreiben ist Arbeit. Geschrieben haben ist aber auch nicht schlecht.

 

Marion Fabianek:

Als stellvertretende Leiterin des Kultur- und Medienressorts eines großen steirischen Tagesmediums würden wir Sie gerne fragen: Was bevorzugen Sie im TV? Heiteres oder Ernstes? Oder je nach Tagesverfassung?

UTE BAUMHACKL:  In Wahrheit zappe ich viel zuviel.

 

Marion Fabianek:

Gibt es einen Lieblingsautor bzw. eine Lieblingsautorin?

UTE BAUMHACKL:  Hui, schwer. Ich bin da eher treulos, aber A. L. Kennedy, David Foster Wallace, Mathias Grilj gelten eigentlich immer.

 

Marion Fabianek:

Kann man schreibend die Welt verändern?

UTE BAUMHACKL:  Ich hoffe, sonst hätten wir die Schrift wirklich nicht erfinden brauchen.

 

Marion Fabianek:

Was machen Sie am liebsten, wenn Sie nicht schreiben?

UTE BAUMHACKL:  Private Dinge.

 

Marion Fabianek:

Gibt es auch ein neues Buchprojekt?

UTE BAUMHACKL:  Nein.

 

Marion Fabianek:

Und zum Abschluss: Was war Ihr erster Gedanke, als Robert Preis Sie zu unserem Literaturfestival eingeladen hat? Ganz offen bitte :-)!

UTE BAUMHACKL:  Jessas, warum ich?

 

Marion Fabianek:

Ich bedanke mich gleich einmal im Voraus ganz herzlich für dieses Mail-Interview – und freue mich weiterhin schon sehr darauf, Sie persönlich kennenzulernen, spätestens bei unserem Literaturbrunch am 1. Juli :-).

Eine Frau für jede Tonart

Hera Lind fühlt sich für die „fröhliche Kurzweil“ ihrer Leser zuständig. Die einstige Millionen-Sellerin über ihren literarischen Wandel, wie und woran sie heute schreibt.

 

Robert Preis:
Vielen Dank, Frau Lind, dass Sie sich Zeit für ein E-Mail-Interview nehmen. Sie sind am 29. Juni in Judendorf-Straßengel bei unserem Festival – sind Sie zuvor schon einmal hier bzw. in Graz gewesen?

Hera Lind:

In Graz war ich einige Male, und immer mit großer Freude! Eine wunderschöne Stadt! Ich versuche immer eines meiner Kinder zu überreden hier zu studieren.

 

Robert Preis:
Sie leben in Salzburg, welche Rolle spielt Ihre Heimat Deutschland noch für Sie?
Hera Lind: Ein sehr schönes Kapitel, das aber hinter mir liegt. Ich fühle mich inzwischen als Österreicherin, besonders wenn meine Kinder so herrlich Mundart sprechen mit ihren Freunden!

Robert Preis:
Wie Sind Sie eigentlich letztlich zum Schreiben gekommen? Ihre Geschichte ist ja eigentlich keine sehr lineare.
Hera Lind: Eigentlich war ich Konzertsängerin! In einer Schwangerschaftspause begann ich aus Langeweile mit dem Schreiben.

Robert Preis:
Welches war Ihr erstes schriftstellerisches Werk?
Hera Lind: „Ein Mann für jede Tonart“ – spielt im Sängermilieu!

Robert Preis:
Ihre Karriere verlief extrem unterschiedlich. Zunächst waren Sie enorm populär, schrieben Millionenbestseller wie „Das Superweib“ und waren auch als Moderatorin präsent im Fernsehen. Heute schreiben Sie zwar immer noch, haben aber das Genre gewechselt. Wir geht es Ihnen mit der Veränderung?
Hera Lind: Sehr gut. Es füllt mich zutiefst aus, auch ernstere und vor allen Dingen wahre Geschichten aufzuschreiben, die andere Menschen erlebt haben.

Robert Preis:
Welches ist Ihr persönliches (selbst geschriebenes) Lieblingsbuch und warum?
Hera Lind: Ein Mann für jede Tonart. Es ist authentisch, damals völlig ohne Leistungsdruck und aus purer Freude geschrieben, und es verhalf mir zu meiner zweiten Karriere.

 

Robert Preis:
Wie gehen Sie beim Schreiben und Recherchieren vor? Planen Sie jedes Detail im Voraus?
Hera Lind: Bei den Romanen brauche ich viele Waldspaziergänge und Joggingrunden, bis ein Plot in meinem Kopf Gestalt annimmt. Bei den wahren Geschichten muss ich etwa 30 lesen um auf eine brauchbare zu stoßen. Die fasziniert mich dann aber auch so sehr, dass ich sie unbedingt machen will! Dann schlüpfe ich komplett in die Rolle des Protagonisten.

Robert Preis:
Woran schreiben Sie derzeit?
Hera Lind: Gerade beginne ich mit einem neuen Roman. Arbeitstitel: Wechseljahr, blondes Haar. Eine selbstironische Abhandlung des Alterns in Würde und Humor!

Robert Preis:
Wann wird man es im Buchladen sehen?
Hera Lind: Vom ersten Gedanken bis zum Erscheinen ist es ähnlich wie bei einer Schwangerschaft: ein knappes Jahr dürfen Sie rechnen.

Robert Preis:
Kann Literatur die Welt verändern?
Hera Lind: Mit Sicherheit. Eine zweite Welt, in die man sich immer zurückziehen kann. Im besten Fall kann man eine Menge für sich selbst und das Leben lernen. Ich selbst fühle mich eher zuständig für die Erheiterung meiner Leser, die fröhliche Kurzweil, die gute Laune.

Robert Preis:

Welche Bedeutung hat Literatur für Sie?
Hera Lind: Eine wachsende. Früher habe ich mir immer gesagt, ich bin zu jung und zu aktiv um zu lesen, ich LEBE! Heute verschieben sich die Werte, die Bedürfnisse, die Wichtigkeiten.

 

Robert Preis:
Welche Bedeutung hat der Literaturbetrieb für Sie?
Hera Lind: Ich habe riesigen Respekt vor allen Menschen, die sich mit Literatur beschäftigen.

 

Robert Preis:

Fühlen Sie sich als Literatin wahrgenommen?
Hera Lind: Als Literatin würde ich mich selbst nicht bezeichnen. Wenn ich weiß, dass ich mit jedem Buch um die 100.000 Leser(Innen) erheitere, erwärme, zum Lachen und zum Weinen bringe, wenn ich höre, dass man (frau) mein Buch nicht aus der Hand legen konnte bis es durchgelesen war, wenn ich fesseln und von den Alltagssorgen ablenken konnte mit meinem Buch, dann ist das Ehre genug.

Robert Preis:
Was machen Sie, wenn Sie nicht schreiben?
Hera Lind: Als allein erziehende Mutter habe ich täglich einen turbulenten Haushalt zu führen. Meine Kinder sind mein Lebensquell, die mich täglich zu Höchstleistungen herausfordern, und wenn es nur der Humor und die Geduld ist! Ansonsten mache ich täglich eine Stunde Sport – Laufen, Pilates, Yoga oder Fitnesstraining, und ich singe im Salzburger Festspielchor.

Robert Preis:
Vielen Dank Frau Lind, für Ihre ausführlichen Antworten. Bis bald in Judendorf!

 

„Mich hat meine Kunst verändert.“

Er fühlt sich sauwohl, ist eine ganze Galaxie vom Wuchtel schieben entfernt und weiß alles über Erdäpfel und Glühbirnen.

Der Grazer Kabarettist JÖRG MARTIN WILLNAUER ist am

29. Juni zu Gast beim „Lachen und Lesen“-Literaturfestival in Judendorf-Straßengel.

 

K3:

Vielen Dank Jörg-Martin, dass Du Dir Zeit für dieses Interview nimmst. Du bist Ende Juni in Judendorf-Straßengel bei unserem Festival – das Thema lautet “Lachen und Lesen”. Bist Du ein lustiger Mensch?
JMW: Natürlich nicht. Wie alle Kollegen bin ich fast immer todernst. Nur über bestimmte Fragen kann ich lachen. Zum Beispiel über diese!

K3:

Du bist aus drei Schulen rausgeflogen und zweimal sitzen geblieben. Kann man daraus schließen, dass Kabarettisten dem Ernst des Lebens nicht wirklich gewachsen sind?
JMW: Die Schule ist dem „Ernst des Lebens“ nicht gewachsen, ich schon. Ob meine Kollegen dem „Ernst des Lebens“ gewachsen sind, weiß ich nicht. Aber sicher ist, dass das von meiner schulischen Laufbahn völlig unabhängig ist.

K3:

 … nachdem Du aber eindeutig erfolgreich bist, könnte man auch fragen: Ist der Ernst dem Leben gewachsen?
JMW: In meinem Metier ist es eher üblich, Fragen zu stellen, als Fragen zu beantworten.
Unabhängig davon riecht mir diese Frage nach Kümmelspalterei.

K3:

Wir haben Dich zu einem Literaturfestival eingeladen – fühlst Du Dich überhaupt als Literat, oder doch eher als Kabarettist oder als Musiker?
JMW: Kabarett ist eine Mischung aus Musik, Literatur und Theater. Und genau auf dieser Schnittstelle fühle ich mich sauwohl.

K3:

LiteratInnen gelten als die ernsten Seelen, als die zurück gezogen lebenden PhilosophInnen des Kulturbetriebes. Die KabarettistInnen hingegen sind die Wuchteln schiebenden Kasperln. Wie viel Ernst steckt im Kabarett?
JMW: Der Begriff „Kabarett“ ist inzwischen so inflationiert wie „Nachhaltigkeit“ oder „Umweltfreundlichkeit“. Eine Definition des Begriffs ist mir nicht mehr möglich. Aber sicher ist, dass ich von den „Wuchteln schiebenden Kasperln“ ungefähr eine Galaxis entfernt bin.

K3:

Wir haben Dich noch nie bei „Was gibt es Neues“ gesehen. Erlaube uns einen kleinen Test: Was ist ein Wurzelkreuz? Wir wollen jetzt mindestens 3 lustige Antworten hören – auch wenn Du die richtige Antwort wissen solltest …

JMW:

a) wenn sich zwei Quadratwurzeln im rechten Winkel kreuzen, entsteht ein Wurzelkreuz.
b) Meine Masseuse sagt, wenn ich zu lange am Klavier sitze, fühlt sich mein Rückgrat an wie ein Wurzelkreuz.
c) eine spezielle Form von Kreuzworträtsel, in dem aus allen Begriffen eine etymologische Wurzel gezogen werden muss.

K3:

Fühlst Du Dich als Künstler – auch angesichts solcher Fragen – ausreichend wertgeschätzt?
JMW: Durchaus.

K3:

Künstler werden gerne gefragt, ob Sie glauben, mit ihrer Kunst die Welt verändern zu können. Du hast vor wenigen Jahren einen Ausflug in die Politik versucht, von dem Du aber rasch wieder heimgekehrt bist. Waren Dir die Grenzen des Erreichbaren als Künstler zu eng gesteckt?
JMW:
a) Dass meine Kunst die Welt verändert, kann ich beweisen: Ich bin ein Teil der Welt und mich hat meine Kunst verändert.
b) Die Politik hat ihre Gestaltungsmöglichkeiten grob fahrlässig aufgegeben, die Kunst hat diese Gestaltungsmöglichkeiten nie gehabt.
Unabhängig davon: Kreativität ist im politischen Milieu keine Kategorie. Leider.

K3:

Was kannst Du uns über Erdäpfel und Glühbirnen erzählen?
JMW:
Das ist der Titel meiner neuen CD. 15 Chansons aus meiner Feder. Vier davon finden sich auf der deutschen Liederbestenliste. Zwar nur alphabetisch gereiht, also aufgrund meines Familiennamens weit hinten, aber trotzdem ein Grund zur Freude. Näheres findet sich unter www.willnauer.at

 

PS: Die Interviews mit Thomas Glavinic und Andrea Stift finden Sie rechts unter „letzte Artikel“!

 

 

 

 

 

Andrea Stift freut sich über die Enladung …

ACHTUNG!

Das Interview mit Thomas Glavinic können Sie rechts unter „Letzte Artikel“ aufrufen!

 

Andrea Stift

„Laden Sie mich ein!“

Sie liest am Häusl, findet ihre Socken nie und Bücher sind doch nicht wie Kinder für sie.

Die Grazer Autorin ANDREA STIFT ist am 30. Juni zu Gast beim „Lachen und Lesen“-Literaturfestival von Judendorf-Straßengel.

 

 

 

K3:
Vielen Dank, Andrea, dass Du Dir Zeit für ein E-Mail-Interview nimmst. Du bist am 30. Juni in Judendorf-Straßengel bei unserem Festival – das Thema lautet „Lachen und Lesen“. Bist Du ein lustiger Mensch?

Andrea Stift:
Ich glaube schon. Ich bin auf jeden Fall ein optimistischer Mensch, und das hat wohl zur Folge, dass ich viele Dinge nicht so ernst nehme und stattdessen drüber lache.

 

K3:
Was ist schwieriger: Ernster Text oder lustiger?
AS: Lustige – leider werden lustige Texte oft noch immer von der deutschsprachigen Germanistik ausgeklammert. Das ist mir schon während meines Studiums aufgefallen und ich glaube nicht, dass ich mich täusche, wenn ich sage, das ist immer noch so.
K3:
Magst Du Witze?
AS: Ich mag Witze und grandioserweise vergesse ich mir erzählte Witze stante pede wieder. ich bin ein Witzdepp. Eigentlich könnte man mir ein Leben lang jeden Tag den gleichen Witz erzählen.

K3:
Du lebst in Graz, bist seit Jahren als Autorin tätig. Hast Du den „Job“ jemals bereut?
AS: Blöd wär ich!

K3:
Erinnerst Du Dich noch an Deine erste Lesung?
AS: Oh und wie. Sie war anlässlich einer Preisverleihung im Grazer Rathaus, also auch noch ein offizieller Anlass. Es war furchtbar. Auswanderungsgedanken, Durchfall, kalte Hände, Schweißausbrüche und eine hochrote Birne, wie meine Schwester mir unter die Nase zu reiben sich nicht verkneifen konnte. Aber es ging alles gut. Ich bin aber immer noch nervös bei Lesungen, vor allem wenn ich das Publikum nicht einschätzen kann. Was sind eigentlich die Judendorf-Straßengler für ein Menschenschlag?

K3:
Ich erinnere mich an Deinen Roman „Reben“, der sehr autobiografisch war. Kann man schreiben, ohne autobiografisch zu sein? Kannst Du es?
AS: Finde ich großartig, dass Sie sich an eines meiner Bücher erinnern können. Ich kann mich auch an eines Ihrer Bücher erinnern. Offensichtlich war es keine Witzsammlung. Aber Spaß beiseite – mittlerweile kann ich es. Anfangs konnte ich es nicht. Autobiografisches Schreiben ist für mich oft ein bissl eine Therapie. Fiktionales Schreiben ist toll, weil mir dann die Figuren an irgendeinem Punkt in der Geschichte zu entgleiten beginnen. Das ist ein spannender Prozess.

 

K3:
Welches ist Dein persönliches (selbst geschriebenes) Lieblingsbuch und warum?
AS: Ach, ich finde alle meine Bücher toll. Jedes auf seine Art. Ich hoffe, das klingt nicht zu eingebildet. Aber Bücher sind wie Kinder, und die findet man ja auch meistens ganz toll, vor allem die eigenen, und jedes auf seine Art.

 

K3:
Wie gehst Du beim Schreiben und Recherchieren vor? Planst Du alles im Voraus?
AS: Ich? Planen? Ich finde ja nicht mal meine Socken in der Früh. Ich habe eine Idee und dann schreib ich. Manchmal erweist sich die Geschichte nach zwanzig Seiten als „nicht tragfähig“ für ein ganzes Buch, aber dann wird es eine Kurzgeschichte. Manchmal wird es von vorneherein eine Kurzgeschichte und manchmal wird es ein Gedicht. Ich habe noch nie den Schluss gewusst, wenn ich zu schreiben begonnen habe.

K3:
Woran arbeitest Du derzeit?
AS: An einem Krimi. Arbeitstitel: „Wilfert und die Leiden der Südsteiermark.“ Er wird lustig, sagt mein Testleser Nummer 1. Und ein einem kleinen Lyrikprojekt mit dem Titel „Ich bin es nicht“. Daran sind auch die Musiker meines Herzens, Stefan Fernlicht und Horst Waggershauser beteiligt, die vertonen meine Gedichte so wunderbar dass die ganze Welt es wissen soll!

K3:
Wann wird man das im Buchladen sehen?
AS: Na gut, Bücher sind doch nicht wie Kinder. Schön wäre es könnte ich sagen, in neun Monaten. Die Wahrheit ist, ich weiß es nicht. Ich schreibe ja immer an vielen Dingen.

K3:
Kann Literatur die Welt verändern?
AS: Manchmal? Wie Kinder (ha!)

K3:
Braucht die Region rund um Graz ein Literaturfestival?
AS: Ja natürlich! Speziell für die Region rund um Judendorf-Straßengel ist es höchste Zeit, dass da mal ordentlich gelesen wird. Schön wäre es, wenn sich da einige fähige Menschen zusammentun würden, um so etwas zu organisieren. Man könnte auch einen Literaturwettbewerb ausrichten und Promis einladen. Was, das tun Sie alles schon? Großartig! Laden Sie mich ein!

K3:

Welche Bedeutung hat Literatur für Dich?
AS: Ich wäre zutiefst verzweifelt, unglücklich und ein völlig anderer Mensch, würde es sie nicht geben.

 

K3:
Welche Bedeutung hat der Literaturbetrieb für Dich?
AS: Gar keine. Das ist so ein hässliches Wort. ich lasse mich, wie halt im restlichen Leben, nicht vereinnahmen und schon gar nicht mit Menschen ein, die ich nicht mag. Vielleicht muss man das, vielleicht muss man ein guter Networker sein, um den Literaturbetrieb spielen zu können, wie ein Instrument. Das interessiert mich nicht. Ich schreibe, um glücklich zu sein.

 

K3:

Fühlst Du Dich als Literatin ausreichend wahrgenommen?
AS: Ja. Aber vielleicht liegt das daran, dass man mich jetzt zumindest in der Steiermark kennt. Bald werde ich nach Wien gehen und dann werde ich mich vielleicht total unterwahrgenommen fühlen. Aber eigentlich macht mir das keine Sorgen.

K3:
Was liest Du am liebsten? Lieblingsautor?
AS: Ich lese alles, vor allem, wenn ich am Häusl sitz. Über die Jahre allerdings hat sich Stephen King als konstantester Begleiter erwiesen.

K3:
Was machst Du, wenn Du nicht schreibst?
AS: Liebe.

K3:
Vielen Dank Andrea Stift, für Deine ausführlichen Antworten. Bis bald in Judendorf!

 INTERVIEW: ROBERT PREIS

 

Thomas Glavinic versucht, sich nicht zu wiederholen.

Literatur wird ihm immer unwichtiger, er verplempert Zeit mit Facebook und verrät nicht, woran er arbeitet.

Vielleicht tut er es, wenn er bei uns ist.

THOMAS GLAVINIC, ist am 30. Juni Gast des Judendorf-Straßengler Literaturfestivals.

Eine E-Mail-Unterhaltung mit Robert Preis

 

 

Thomas Glavinic

K3:
Vielen Dank, Thomas, dass Du Dir Zeit für ein E-mail-Interview nimmst. Du bist am 30. Juni in Judendorf-Straßengel bei unserem Festival – bist Du schon zuvor einmal hier gewesen?

Thomas Glavinic:

Mit Sicherheit ein paar Mal durchgefahren, aber ob es einen längeren Aufenthalt gab, weiß ich nicht mehr.

 

K3:
Du lebst in Wien, kommt Du noch oft in die Heimat nach Graz? 

TG: Leider zu selten. Wenn, dann vor allem im Frühjahr und Sommer, speziell die Weststeiermark hat es mir da angetan.

 

K3:
Welches war Dein erstes schriftstellerisches Werk?

TG: Daran erinnere ich mich nicht. Irgendwas Schlechtes jedenfalls! Oder halt, doch, es war ein Filmdrehbuch bzw. der Versuch eines Drehbuchs. Da war ich aber erst 11.

 

K3:
Du schreibst extrem unterschiedlich, polarisierst. Mir selbst hat zum Beispiel „Die Arbeit der Nacht“ überhaupt nicht gefallen, „Der Kameramörder“ und „Wie man leben soll“ dafür wieder sehr. Warum ist das so – versuchst Du absichtlich jedes Buch anders zu machen, oder passiert das?

TG: Ich versuche, mich nicht zu wiederholen, mich interessiert es nicht, etwas zu machen, von dem ich vorher bereits weiß, dass ich es kann und dass es mir gelingen wird. Ich muss mich der Gefahr des Scheiterns aussetzen.

 

K3:
Welches ist Dein persönliches (selbst geschriebenes) Lieblingsbuch und warum?

TG: Die Arbeit der Nacht. Es ist einfach dasjenige meiner Bücher, für das ich am weitesten in mir selbst hinabgestiegen bin, auch wenn sich das jetzt ein wenig unbeholfen anhört. Besser kann ich es leider nicht erklären.

 

K3:
Dein jüngstes Buch handelt von einer Pilgerreise. Darin schilderst Du auch in der Ich-Form den Hang des Romanhelden zu Alkohol und Tabletten. Wieviel Wahrheit steckt da drinnen?

TG: Das ist ein Reisebericht, alles darin ist wahr. Jedenfalls handelt es sich bei diesem Buch um keinen Roman. Der Ich-Erzähler bin ich, aber einen Hang zu Alkohol und Tabletten würde ich für mich in Abrede stellen. Jemand wie ich hält es in Medjugorje anders einfach nicht aus, speziell nicht mit Angina und 40 Grad Fieber.

 

K3:
Wie gehst Du beim Schreiben und Recherchieren vor? Bist Du mehr ein intuitiver Autor, oder planst Du jedes Detail im Voraus?

TG: Sowohl als auch. Erst kommt die Reflexion, das Erwägen der Struktur, das Sammeln von Ideen, dann, am Schreibtisch, wird es oftmals sehr intuitiv.

 

K3:
Woran schreibst Du gerade?

TG: Das verrate ich nicht, ich bin da abergläubisch.

 

K3:
Wann wird man es im Buchladen sehen?

TG: Das wird noch dauern. Nicht vor 2014, glaube ich, aber wer weiß.
K3:
Kann Literatur die Welt verändern?

TG: Was ist die Welt? Literatur kann einzelne Menschen verändern. Wenn man das so definieren will, ja klar, dann kann sie einen Teil der Welt verändern. Aber eine einzige Bombe an der richtigen Stelle verändert sehr viel mehr als alle Romane zusammen, insofern sollte jemand, der die Welt verändern will, lieber im Chemie-Unterricht aufpassen als in der Deutschstunde.

 

K3:

Welche Bedeutung hat Literatur für Dich?

TG: Das kann ich unmöglich beantworten. Literatur ist ein Teil der Außenwelt und ein Teil von mir. Eigentlich ein seltsamer Gedanke. Sie wird mir allerdings immer unwichtiger.

 

K3:
Was machst Du, wenn Du nicht schreibst?

TG: Leben. So wie alle anderen auch. Nicht besonders ungewöhnlich, mein Leben. Ich esse, trinke, schlafe, treffe Freunde, verbringe Zeit mit meiner Freundin oder mit meinem Sohn oder mit Freunden, ich schaue fern, ich lese, ich verplempere Zeit auf Facebook… und manchmal beantworte ich Fragen wie diese, ehe ich mich wieder auf meine Couch zurückziehe, wo ich mich dann frage, was mit dem Rest des Tages anzufangen wäre.

K3:
Vielen Dank Thomas, für Deine ausführlichen Antworten. Bis bald!