Andrea Stift freut sich über die Enladung …

ACHTUNG!

Das Interview mit Thomas Glavinic können Sie rechts unter „Letzte Artikel“ aufrufen!

 

Andrea Stift

„Laden Sie mich ein!“

Sie liest am Häusl, findet ihre Socken nie und Bücher sind doch nicht wie Kinder für sie.

Die Grazer Autorin ANDREA STIFT ist am 30. Juni zu Gast beim „Lachen und Lesen“-Literaturfestival von Judendorf-Straßengel.

 

 

 

K3:
Vielen Dank, Andrea, dass Du Dir Zeit für ein E-Mail-Interview nimmst. Du bist am 30. Juni in Judendorf-Straßengel bei unserem Festival – das Thema lautet „Lachen und Lesen“. Bist Du ein lustiger Mensch?

Andrea Stift:
Ich glaube schon. Ich bin auf jeden Fall ein optimistischer Mensch, und das hat wohl zur Folge, dass ich viele Dinge nicht so ernst nehme und stattdessen drüber lache.

 

K3:
Was ist schwieriger: Ernster Text oder lustiger?
AS: Lustige – leider werden lustige Texte oft noch immer von der deutschsprachigen Germanistik ausgeklammert. Das ist mir schon während meines Studiums aufgefallen und ich glaube nicht, dass ich mich täusche, wenn ich sage, das ist immer noch so.
K3:
Magst Du Witze?
AS: Ich mag Witze und grandioserweise vergesse ich mir erzählte Witze stante pede wieder. ich bin ein Witzdepp. Eigentlich könnte man mir ein Leben lang jeden Tag den gleichen Witz erzählen.

K3:
Du lebst in Graz, bist seit Jahren als Autorin tätig. Hast Du den „Job“ jemals bereut?
AS: Blöd wär ich!

K3:
Erinnerst Du Dich noch an Deine erste Lesung?
AS: Oh und wie. Sie war anlässlich einer Preisverleihung im Grazer Rathaus, also auch noch ein offizieller Anlass. Es war furchtbar. Auswanderungsgedanken, Durchfall, kalte Hände, Schweißausbrüche und eine hochrote Birne, wie meine Schwester mir unter die Nase zu reiben sich nicht verkneifen konnte. Aber es ging alles gut. Ich bin aber immer noch nervös bei Lesungen, vor allem wenn ich das Publikum nicht einschätzen kann. Was sind eigentlich die Judendorf-Straßengler für ein Menschenschlag?

K3:
Ich erinnere mich an Deinen Roman „Reben“, der sehr autobiografisch war. Kann man schreiben, ohne autobiografisch zu sein? Kannst Du es?
AS: Finde ich großartig, dass Sie sich an eines meiner Bücher erinnern können. Ich kann mich auch an eines Ihrer Bücher erinnern. Offensichtlich war es keine Witzsammlung. Aber Spaß beiseite – mittlerweile kann ich es. Anfangs konnte ich es nicht. Autobiografisches Schreiben ist für mich oft ein bissl eine Therapie. Fiktionales Schreiben ist toll, weil mir dann die Figuren an irgendeinem Punkt in der Geschichte zu entgleiten beginnen. Das ist ein spannender Prozess.

 

K3:
Welches ist Dein persönliches (selbst geschriebenes) Lieblingsbuch und warum?
AS: Ach, ich finde alle meine Bücher toll. Jedes auf seine Art. Ich hoffe, das klingt nicht zu eingebildet. Aber Bücher sind wie Kinder, und die findet man ja auch meistens ganz toll, vor allem die eigenen, und jedes auf seine Art.

 

K3:
Wie gehst Du beim Schreiben und Recherchieren vor? Planst Du alles im Voraus?
AS: Ich? Planen? Ich finde ja nicht mal meine Socken in der Früh. Ich habe eine Idee und dann schreib ich. Manchmal erweist sich die Geschichte nach zwanzig Seiten als „nicht tragfähig“ für ein ganzes Buch, aber dann wird es eine Kurzgeschichte. Manchmal wird es von vorneherein eine Kurzgeschichte und manchmal wird es ein Gedicht. Ich habe noch nie den Schluss gewusst, wenn ich zu schreiben begonnen habe.

K3:
Woran arbeitest Du derzeit?
AS: An einem Krimi. Arbeitstitel: „Wilfert und die Leiden der Südsteiermark.“ Er wird lustig, sagt mein Testleser Nummer 1. Und ein einem kleinen Lyrikprojekt mit dem Titel „Ich bin es nicht“. Daran sind auch die Musiker meines Herzens, Stefan Fernlicht und Horst Waggershauser beteiligt, die vertonen meine Gedichte so wunderbar dass die ganze Welt es wissen soll!

K3:
Wann wird man das im Buchladen sehen?
AS: Na gut, Bücher sind doch nicht wie Kinder. Schön wäre es könnte ich sagen, in neun Monaten. Die Wahrheit ist, ich weiß es nicht. Ich schreibe ja immer an vielen Dingen.

K3:
Kann Literatur die Welt verändern?
AS: Manchmal? Wie Kinder (ha!)

K3:
Braucht die Region rund um Graz ein Literaturfestival?
AS: Ja natürlich! Speziell für die Region rund um Judendorf-Straßengel ist es höchste Zeit, dass da mal ordentlich gelesen wird. Schön wäre es, wenn sich da einige fähige Menschen zusammentun würden, um so etwas zu organisieren. Man könnte auch einen Literaturwettbewerb ausrichten und Promis einladen. Was, das tun Sie alles schon? Großartig! Laden Sie mich ein!

K3:

Welche Bedeutung hat Literatur für Dich?
AS: Ich wäre zutiefst verzweifelt, unglücklich und ein völlig anderer Mensch, würde es sie nicht geben.

 

K3:
Welche Bedeutung hat der Literaturbetrieb für Dich?
AS: Gar keine. Das ist so ein hässliches Wort. ich lasse mich, wie halt im restlichen Leben, nicht vereinnahmen und schon gar nicht mit Menschen ein, die ich nicht mag. Vielleicht muss man das, vielleicht muss man ein guter Networker sein, um den Literaturbetrieb spielen zu können, wie ein Instrument. Das interessiert mich nicht. Ich schreibe, um glücklich zu sein.

 

K3:

Fühlst Du Dich als Literatin ausreichend wahrgenommen?
AS: Ja. Aber vielleicht liegt das daran, dass man mich jetzt zumindest in der Steiermark kennt. Bald werde ich nach Wien gehen und dann werde ich mich vielleicht total unterwahrgenommen fühlen. Aber eigentlich macht mir das keine Sorgen.

K3:
Was liest Du am liebsten? Lieblingsautor?
AS: Ich lese alles, vor allem, wenn ich am Häusl sitz. Über die Jahre allerdings hat sich Stephen King als konstantester Begleiter erwiesen.

K3:
Was machst Du, wenn Du nicht schreibst?
AS: Liebe.

K3:
Vielen Dank Andrea Stift, für Deine ausführlichen Antworten. Bis bald in Judendorf!

 INTERVIEW: ROBERT PREIS