Eine Frau für jede Tonart

Hera Lind fühlt sich für die „fröhliche Kurzweil“ ihrer Leser zuständig. Die einstige Millionen-Sellerin über ihren literarischen Wandel, wie und woran sie heute schreibt.

 

Robert Preis:
Vielen Dank, Frau Lind, dass Sie sich Zeit für ein E-Mail-Interview nehmen. Sie sind am 29. Juni in Judendorf-Straßengel bei unserem Festival – sind Sie zuvor schon einmal hier bzw. in Graz gewesen?

Hera Lind:

In Graz war ich einige Male, und immer mit großer Freude! Eine wunderschöne Stadt! Ich versuche immer eines meiner Kinder zu überreden hier zu studieren.

 

Robert Preis:
Sie leben in Salzburg, welche Rolle spielt Ihre Heimat Deutschland noch für Sie?
Hera Lind: Ein sehr schönes Kapitel, das aber hinter mir liegt. Ich fühle mich inzwischen als Österreicherin, besonders wenn meine Kinder so herrlich Mundart sprechen mit ihren Freunden!

Robert Preis:
Wie Sind Sie eigentlich letztlich zum Schreiben gekommen? Ihre Geschichte ist ja eigentlich keine sehr lineare.
Hera Lind: Eigentlich war ich Konzertsängerin! In einer Schwangerschaftspause begann ich aus Langeweile mit dem Schreiben.

Robert Preis:
Welches war Ihr erstes schriftstellerisches Werk?
Hera Lind: „Ein Mann für jede Tonart“ – spielt im Sängermilieu!

Robert Preis:
Ihre Karriere verlief extrem unterschiedlich. Zunächst waren Sie enorm populär, schrieben Millionenbestseller wie „Das Superweib“ und waren auch als Moderatorin präsent im Fernsehen. Heute schreiben Sie zwar immer noch, haben aber das Genre gewechselt. Wir geht es Ihnen mit der Veränderung?
Hera Lind: Sehr gut. Es füllt mich zutiefst aus, auch ernstere und vor allen Dingen wahre Geschichten aufzuschreiben, die andere Menschen erlebt haben.

Robert Preis:
Welches ist Ihr persönliches (selbst geschriebenes) Lieblingsbuch und warum?
Hera Lind: Ein Mann für jede Tonart. Es ist authentisch, damals völlig ohne Leistungsdruck und aus purer Freude geschrieben, und es verhalf mir zu meiner zweiten Karriere.

 

Robert Preis:
Wie gehen Sie beim Schreiben und Recherchieren vor? Planen Sie jedes Detail im Voraus?
Hera Lind: Bei den Romanen brauche ich viele Waldspaziergänge und Joggingrunden, bis ein Plot in meinem Kopf Gestalt annimmt. Bei den wahren Geschichten muss ich etwa 30 lesen um auf eine brauchbare zu stoßen. Die fasziniert mich dann aber auch so sehr, dass ich sie unbedingt machen will! Dann schlüpfe ich komplett in die Rolle des Protagonisten.

Robert Preis:
Woran schreiben Sie derzeit?
Hera Lind: Gerade beginne ich mit einem neuen Roman. Arbeitstitel: Wechseljahr, blondes Haar. Eine selbstironische Abhandlung des Alterns in Würde und Humor!

Robert Preis:
Wann wird man es im Buchladen sehen?
Hera Lind: Vom ersten Gedanken bis zum Erscheinen ist es ähnlich wie bei einer Schwangerschaft: ein knappes Jahr dürfen Sie rechnen.

Robert Preis:
Kann Literatur die Welt verändern?
Hera Lind: Mit Sicherheit. Eine zweite Welt, in die man sich immer zurückziehen kann. Im besten Fall kann man eine Menge für sich selbst und das Leben lernen. Ich selbst fühle mich eher zuständig für die Erheiterung meiner Leser, die fröhliche Kurzweil, die gute Laune.

Robert Preis:

Welche Bedeutung hat Literatur für Sie?
Hera Lind: Eine wachsende. Früher habe ich mir immer gesagt, ich bin zu jung und zu aktiv um zu lesen, ich LEBE! Heute verschieben sich die Werte, die Bedürfnisse, die Wichtigkeiten.

 

Robert Preis:
Welche Bedeutung hat der Literaturbetrieb für Sie?
Hera Lind: Ich habe riesigen Respekt vor allen Menschen, die sich mit Literatur beschäftigen.

 

Robert Preis:

Fühlen Sie sich als Literatin wahrgenommen?
Hera Lind: Als Literatin würde ich mich selbst nicht bezeichnen. Wenn ich weiß, dass ich mit jedem Buch um die 100.000 Leser(Innen) erheitere, erwärme, zum Lachen und zum Weinen bringe, wenn ich höre, dass man (frau) mein Buch nicht aus der Hand legen konnte bis es durchgelesen war, wenn ich fesseln und von den Alltagssorgen ablenken konnte mit meinem Buch, dann ist das Ehre genug.

Robert Preis:
Was machen Sie, wenn Sie nicht schreiben?
Hera Lind: Als allein erziehende Mutter habe ich täglich einen turbulenten Haushalt zu führen. Meine Kinder sind mein Lebensquell, die mich täglich zu Höchstleistungen herausfordern, und wenn es nur der Humor und die Geduld ist! Ansonsten mache ich täglich eine Stunde Sport – Laufen, Pilates, Yoga oder Fitnesstraining, und ich singe im Salzburger Festspielchor.

Robert Preis:
Vielen Dank Frau Lind, für Ihre ausführlichen Antworten. Bis bald in Judendorf!